Diskussionsforum
Zeitmanagement, Selbstmanagement
Registriert seit: 09.02.2015
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Geändert am 09.02.2015 16:35:00
Hallo, ich wollte das Forum mal nutzen, um Eure Meinung zu den Themen Zeit- und Selbstmanagement zu hören. Ich denke, dass es gerade für Praxisinhaber und Existenzgründer ein spannendes Thema ist, denn hier treffen aus meiner Sicht die fachlichen Anforderungen mit den Führungsanforderungen aufeinander. Aus fachlicher Sicht ist man bereit, eine eigenen Praxis zu leiten, aber im Alltag steht man doch häufiger vor der Frage, wie man die ganze Organisation, Mitarbeiter- und Unternehmensführung etc. so auf die Reihe bekommen soll ohne dabei den Spaß an der Sache zu verlieren. So etwas wird dem Ergotherapeuten in der Ausbildung ja nicht vermittelt. Themen wie "Zeitmanagment" wären hier sinnvoll, aber ich stelle fest, dass die Wahrnehmung für diese Themen bei den anderen Fortbildungsangeboten scheinbar untergeht. In anderen Branchen sind solche Fortbildungsthemen völlig üblich. Liegt es daran, dass es im Vergleich zu den konkreten fachlichen Fortbildungen keine Priorität hat, oder wird für solche Themen keine Zeit und Geld aufgewendet? Schon mal danke für weitere Aspekte zu diesem Thema! Bin gespannt wie Ihr das seht.
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Registriert seit: 18.10.2012
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Zu einem hat es in unserem Beruf wenig Priorität. Zum anderen würde ich auch dafür kein Geld ausgeben. Wozu soll so was Inhalt in der Ausbildung sein. Diese Fähigkeiten braucht man doch nur wenn man in einer Führungsposition arbeitet. Dafür gibt es doch Coachings, wenn du das erst mal lernen musst. ES gibt ja auch Menschen, die haben das schon im Blut die können das einfach und müssen das nicht lernen. Vieles kann man sich aber auch selber aneignen.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
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Registriert seit: 05.03.2008
Beiträge: 49
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Geändert am 09.02.2015 18:55:00
Hallo, ich denke auch, dass Zeitmanagement in unserem Job enorm wichtig ist, nicht nur in Praxen. Wir, d.h., die Kollegen in der Ergo- Abteilung wurden mal von unserer Chefin alle zu entsprechenden Fobis geschickt. Ich habe diese dann bei der VHS gemacht, da ich tatsächlich keine Fobi nur für Ergos bzw. für Mitarbeiter aus dem Gesundheitssektor gefunden habe. Entsprechend sassen Leute aus allen möglichen Bereichen dabei. Ich fand die Fortbildung enorm hilfreich. und nicht mal teuer. Für die Ausbildung fände ich das Thema ebenfalls sehr sinnvoll, da ich häufig das Gefühl habe in der Zwickmühle zu stecken: wirtschaftliches Arbeiten (das Unternehmen will Kohle sehen...) oder vernünftiges klientenzentriertes Arbeiten... beides zusammen scheint ja nicht immer zu klappen... Grüße von Lucia
et hätt noch immer jot jejange
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Niesky
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 69
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Ich möchte Kukdiehe gern widersprechen. Ich finde Zeit- und Selbstmanagement gerade in unserem Beruf unglaublich wichtig. Und das nicht nur als PI, auch als Angestellter. Viele Probleme zwischen AN und AG entstehen doch, weil es schwer ist, sich zu organisieren, um den Klienten/Patienten, dem Chef und am Ende sich selbst gerecht zu werden. Auch für den Ablauf der Therapie ist ein straffes Zeitmanagement wichtig, ebenso für die Arbeitsorganisation (Berichte, Doku...). Und das lernt man leider nicht in der Ausbildung. vielleicht noch am ehesten im Praktikum. Obwohl ein bisschen Theorie über Prioritätensetzung, praktische Leitsätze, Erfolgskontrolle (nicht der Therapieerfolg!!!) hilfreich wäre. Dies lernt man aber auch gut mit anderen/fremden Menschen bei einem offenen Kurs (Volkshochschule o.ä.). In einem med. Fortbildungsinstitut wurde eine Plattform zum Austausch für Ergos und auch Physios angeboten, die mangels Beteiligung abgesagt wurde. Schade. Dafür gibts ja auch keine Fortbildungspunkte.
Unterstützend bei unserer Existenzgründung und Praxisorganisation fand ich das Stöbern hier im Forum, wie machen es die anderen.... Wie empfinden die Angestellten ihre Arbeitsbedingungen, was ist ihnen wichtig. Und natürlich dauert anfangs alles etwas länger. Hab ich vor nem Jahr noch einen halben Tag für die Abrechnung weniger VO gebraucht, bin ich jetzt mit mehr VO in 2 Std. fertig. Auch die Buchhaltung hat mehr System bekommen, aber das geht nur mit learning by doing. Als PI hat man ja noch das Problem, liegengebliebene Arbeit nicht mit nach Hause zu nehmen, bzw. das Privatleben zu schützen. Und da muss man wohl immer wieder neu über Selbstmanagement nachdenken. Einen schönen Abend euch allen!
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Registriert seit: 18.10.2012
Beiträge: 1492
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Ja es ist schon wichtig sich gut und perfekt organisieren zu können. Es gibt Leute, die können das von Anfang an und es gibt welche die müssen es erst lernen. Dafür gibt es ja auch Kurse an der VHS. Vieles lernt man auch in den Praktika während der Ausbildung. Es ist sicherlich nicht leicht, aber man kann das sich auch selber bei bringen. Ordnung ist das halbe Leben. Mir z.B würde es nicht passieren, dass Rezepte nach einem Jahr wieder auftauchen oder ich diese vergesse abzurechnen. Was mich erstaunt hat, dass ich so was in diesem Forum lesen muss. Wenn man gut Ordnung hält und jedes Rezept was gerade fertig geworden ist sofort irgend wo hin räumt auf einem bestimmten Platz kommt und am Tag X spätestens alle Rezepte zur Abrechnungsfirma hin geschickt werden sollen, damit die mir diese für den nächsten Monat abrechnen dann passiert so was nicht mehr. Bei mir werden die Rezepte gleich sofort in dem Umschlag gegeben. Meine Steuerberaterin hatte mir noch Tipps zur Buchhaltung gegeben und wenn du deine ganzen Rechnungen gleich sofort abheftest, kommt man nicht ins schleudern. Ich wurde aber auch schon so erzogen, dass ich immer alles sofort erledigen muss. Da denk ich immer an meiner Mutter, bei ihr gibt es kein später, die hat nur in ihrem Wortschatz sofort drin. Am Anfang habe ich auch länger für die Berichte gebraucht, jetzt habe ich den Bogen heraus und brauche pro Bericht ca 5 bis 10 min und lasse anschließend noch mal den Dudenrechtschreibprogramm Korrektur lesen. Der verbessert auch meine Grammatikfehler. Klar du bekommst nie alles perfekt organisiert, schon alleine da es Hausbesuchspatienten gibt, die aber da nicht können und da aber auch nicht und nicht gegen Mittag und der nächste aber nicht am dem Tag. Da kann man schon manchmal als PI verrückt werden. Oder im Altenheim wenn du nur einen Patienten betreust und immer um die Uhrzeit kommst und der Patient ist noch nicht fertig. Wenn du mehrere in diesem Heim betreust, dann ist das kein Problem, dann mach ich den derweil und komme anschließend zur Frau X. Da muss ich auch noch lernen, dass ich nicht allem und jedem alles recht machen kann und muss. Ja man sollte auch keine Arbeit mit in den Urlaub nehmen, aber es geht teilweise nicht anders. Man muss als PI immer per Telefon erreichbar sein, da sonst der Patient zu jemand anderen geht. Wenn ich therapiere gehe ich nicht ans Telefon, aber in meinem Urlaub mach ich ne Rufumleitung auf mein Handy. Wobei wenn das Band heran geht, dann lautet die Bandansage, dass ich von dann bis dann im Urlaub bin. Mir ist es aber schon öfter mal passiert, dass ich deshalb eine Neuaufnahme weniger hatte, da ich gerade nicht rechtzeitig ans Telefon ran gehen konnte. Der hatte dann einfach bei der nächsten Praxis angerufen und dann da gleich einen erwischt. Wobei ich mir die Priorität gesetzt habe, dass während der Behandlungen nicht ans Telefon gegangen wird, da ich das dann schon unhöflich finde und ich als Patient selber es auch sehr ungern sehe, wenn mein Therapeut während meiner Behandlungszeit telefoniert.
Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren.
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falladar
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 1375
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Hallo Kukdiehe,
... in einer "Einfraupraxis" mag man sich noch so behelfen können. Sobald du MA hast und dein Unternehmen sich vergrößert, gehört dieses Thema für jeden PI und FL auf die Tagesordnung. Für die Angestellten ist dieses Thema je nach Arbeitsumfang von Bedeutung. Werden von der Rezeption/PI/FL viele organisatorische Sachen schon vorstrukturiert und erledigt ist die Schulung der MA und der dadurch entstandene Nutzen für die Praxis/das Unternehmen eher gering. Erledigen die MA einen Großteil der Praxisorganisation zusätzlich zur therapeutischen Arbeit, gehört Zeit- und Selbstmanagement zu den wichtigen Fortbildungen.
Du merkst ja schon jetzt wie du mit der Organisation deiner Praxis an deine persönlichen Grenzen kommst und sie teilweise überschreitest. "learning by doing" ist auch nur begrenzt möglich. Um die Fehlerquoten schnell, dauerhaft und richtig zu reduzieren oder auch von Anfang an ganz zu vermeiden, benötigt jeder ein Feedback. Du kannst das Feedback von deinen Kunden bekommen und sie dadurch ggf. verlieren, oder du holst dir dein Feedback von einem Kursleiter/Dozent und deinen Mitschülern bei einer Fortbildung. Auf einige Fehler wirst du lange Zeit oder auch nie von alleine kommen. Ein Austausch ist hier, wie bei jeder anderen Fort-/Ausbildung auch, sehr wichtig.
MfG falladar
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Registriert seit: 09.02.2015
Bundesland: Hamburg Beiträge: 3
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So wie ich das hier heraus höre, seht ihr das Thema Zeit- und Selbstmanagement auch eher für Führungskräfte, Inhaber mit Angestellten, nicht für Einmannbetriebe oder angestellte Ergos.
Ich denke, dass die typische Therapietätigkeit bei diesem Personenkreis mit Führungsverantwortung oft sehr stark nachlässt und die Anforderungen eher in Richtung Organisation und Unternehmensführung gehen. Dabei fällt dann eher auf, dass man scheinbar zu wenig Zeit hat und doch oft in der Freizeit arbeitet und dennoch recht gehetzt ist. Im "normalen" Anstellungsverhältnis" ist der Arbeitsablauf schon stärker vorgegeben.
Zusätzlich ist das ja auch ein Thema, dass wenn es akut wird, auch den privaten Bereich betrifft. Denn wir arbeiten ja schließlich auch um zu LEBEN.
Wie wichtig findet ihr denn eine Fortbildung zu diesem Thema im berufseigenen Kreis. Licia73 und Niesky haben ja geschrieben, dass sie keine berufsspezifische Fortbildung zu diesem Thema gefunden haben und die Plattform zum Austausch geschlossen wurde.
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Registriert seit: 21.03.2002
Beiträge: 364
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Ich denke eine berufsspezifische Fortbildung zu diesem Thema ist verzichtbar. Zeit- und Selbstmanagement (wie es der Name nunmal zum Ausdruck bringt) sind individuell und teamspezifisch. Bei Problemen und Überlastung sollten ETs in der Lage sein Teamsitzungen zu eben diesen Themen und Situationen durchzuführen und umsetzbare Lösungen zu finden. Es sind schließlich ETs. Bei schwer lösbaren Problemen ist meiner Erfahrung nach ein externer Trainer/Mediator sehr hilfreich.
Gruß Kai
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Registriert seit: 11.11.2008
Beiträge: 1
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Geändert am 12.02.2015 09:10:00
Hallo, das ist eine interessante Diskussion hier, war lange nicht im Forum unterwegs  Ja, auch ich finde die Themen durchaus sehr wichtig und nennenswert. Ich habe eine eigene Praxis und erhielt am Anfang von meiner Unternehmensberaterin viele sinnvolle Tipps. Gerade, was die spezifische Unternehmensführung auf mein individuelles Praxiskonzept betraf, auch im Hinblick auf Selbst- und Zeitmanagement. Ich konnte auf die Erfahrungen der Beraterin zurückgreifen und vieles gewinnbringend, sowohl finanziell als auch in den Punkten Mitarbeiterführung und Organisation, umsetzen. Ja, eine solche Weiterbildung kostet Geld, wie jede andere auch, aber ich kann nur sagen, dass sich mein Umsatz danach verdoppelt hat. Sprich, du bekommst ja auch was dafür. Man sollte Themen, wie Selbstmanagement und Organisation nicht unterschätzen, das umfasst vieles mehr als man denkt. Und selbst nach einigen erfolgreichen Jahren der Selbstständigkeit, bin ich noch immer dankbar für Tipps. Natürlich sind nicht alle passend, aber der Austausch als solches zählt. Mir hat es am Anfang meiner Selbstständigkeit geholfen eine Weiterbildung zu diesen Themen zu besuchen. Also, ich bin immer an neuen Sichtweisen interessiert, denn wer dauerhaft, qualitativ und gewinnbringend arbeiten will, muss sich ständig auf dem neuesten Stand halten  LG Beitrag wurde vom Admin moderiert
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falladar
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 1375
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Vielleicht sollte statt Zeitmanagement und Selbstmanagement der Begriff Qualitätsmanagement in die Suchfunktion eingegeben werden?
https://www.dve.info/infothek/qm-in-praxen.html http://www.amazon.de/Qualit%C3%A4tsmanagement-Ergotherapie-Birthe-Hucke/dp/382480638X http://www.bed-ev.de/artikel/artikel.aspx?id=868 http://www.iqhv.de/node http://etptqm.de/ http://www.praxismanager.de/1-2-3-QM_Ergotherapie~0,16,29,0,0,0.htm
Für die Vollständigkeit und den Inhalt übernehme ich keine Haftung. Dies sind nur Beispiele für den Suchbegriff qualitätsmanagement in der ergotherapie mit ungefähr 386.000 Ergebnissen in 0,18 Sekunden.
MfG falladar
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Registriert seit: 09.02.2015
Bundesland: Hamburg Beiträge: 3
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Hallo falladar,
mit Zeit- und Selbstmanagement meine ich bewußt nicht Qualitätsmanagement. Das ist etwas ganz anderes und ersetzt die anderen Themen nicht. Zeit- und Selbstmanagement sehe ich im Zusammenhang, weil sich beide bedingen.
Mangelt es uns an Zeit, so ist Zeit eigentlich nur ein Symptom. Dass uns Zeit fehlt, weißt darauf hin, dass uns Klarheit fehlt. Klarheit darüber, was wir wirklich tun wollen und wozu. Hier kommen dann Themen wie Werte, Motivation, Ziele, Wünsche u.a. ins Spiel. Und das ist sehr individuell. Wie oft hinterfragen wir denn unser tägeliches Tun? Erst wenn man sich darüber im Klaren ist, dann kann man die Zeitmanagementtools anwenden, um mit der Zeit im Ergebnis effizienter umzugehen. Denn dann weiß man auch wofür man vorrangig die zur Verfügung stehende Zeit aufwendet. Das ist auch meiner Sicht der Kern an dem Thema. Wie viel Zeit ist schnell verschwendet, wenn wir uns mit Dingen beschäftigen, die wir irgendwann doch aufgeben, z.B. eine falsch gewählte Ausbildung.
Qualitätsmanagment dagegen spielt im Praxisbetrieb auf anderen Ebenen einen Rolle.
Viele Grüße
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Registriert seit: 21.03.2002
Beiträge: 364
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@schnellus:
kannst du dich mal bitte ganz schnell von _____________ distanzieren!!!
Gruß Kai
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Registriert seit: 17.07.2005
Beiträge: 692
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Geändert am 18.02.2015 15:06:00
Zitat / schnellus hat geschrieben: ....................
Mangelt es uns an Zeit, so ist Zeit eigentlich nur ein Symptom. Dass uns Zeit fehlt, weißt darauf hin, dass uns Klarheit fehlt. Klarheit darüber, was wir wirklich tun wollen und wozu. Hier kommen dann Themen wie Werte, Motivation, Ziele, Wünsche u.a. ins Spiel. Und das ist sehr individuell. Wie oft hinterfragen wir denn unser tägeliches Tun? Erst wenn man sich darüber im Klaren ist, dann kann man die Zeitmanagementtools anwenden, um mit der Zeit im Ergebnis effizienter umzugehen. Denn dann weiß man auch wofür man vorrangig die zur Verfügung stehende Zeit aufwendet. Das ist auch meiner Sicht der Kern an dem Thema. Wie viel Zeit ist schnell verschwendet, wenn wir uns mit Dingen beschäftigen, die wir irgendwann doch aufgeben, z.B. eine falsch gewählte Ausbildung.
Qualitätsmanagment dagegen spielt im Praxisbetrieb auf anderen Ebenen einen Rolle.
Viele Grüße
danke, diese Formulierung gefällt mir sehr gut - "Klarheit" - ein schönes Wort! für mich würde sich Einiges klären, wenn ich in die Zukunft sehen könnte... aber da das nicht möglich ist, werde ich mir notgedrungen mehrere Optionen aufrechterhalten, was zeit-und kräfteraubend ist... hast Du für DIch schon ein LÖsung gefunden?
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Registriert seit: 20.05.2007
Bundesland: Schleswig-Holstein Beiträge: 722
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Hallo zusammen, für mich trifft es Kai/Ivanhoe mit seinem Beitrag sehr gut: Zitat / Ivanhoe hat geschrieben:Zeit- und Selbstmanagement [...] sind individuell und teamspezifisch. Ich denke auch, dass dieses Thema relativ losgelöst vom Beruf des Ergotherapeuten gesehen werden kann. Die Ansicht, Zeit- und Selbstmanagement seien nur oder vor allem für Führungskräfte wichtig, teile ich nicht. In straff hierarchisch organisierten Unternehmen, in denen dem Arbeitgeber jeder Schritt streng vorgegeben wird, mag das stimmen. Aber jeder, bei dem die beiden Faktoren "viel Freiheit bei der Gestaltung" und "hoher Qualitäts- und Leistungsanspruch (von innen/außen/oben)" zusammen treffen, wird sich mit dem Thema (ob implizit oder explizit sei mal dahin gestellt) auseinander setzen müssen. Bei uns in der Klinik erlebe ich tagtäglich überforderte Kollegen, die über Zeitmangel klagen. Gleichzeitig ist völlig offensichtlich, dass an vielen Stellen unheimlich viel Zeit flöten geht, obwohl dies eigentlich nicht nötig wäre. Ich kann mir das kaum mit anschauen, weil es von außen so eindeutig ist und Lösungen vielfach so einfach wären, ich meine Kollegen aber höchstens mal gaaanz vorsichtig beraten kann, mehr steht mir nicht zu und wäre anmaßend. Und hier wird es tatsächlich sehr individuell, denn in den allermeisten Fällen sind es "Kleinigkeiten", die den Kohl fett machen. Um einige Beispiele zu nennen: 1) Wenn ich dem Kopierer immer beim Kopieren zuschauen würde, würde ich auch 20 Minuten zum Kopieren brauchen. In der Zeit, die andere noch vor dem Kopierer verbringen, habe ich schon alles erledigt, was in der Verwaltung noch für mich zu tun war. Hierfür muss man aber die grundlegenden Funktionen des Kopierers kennen, um ihn so nutzen zu können, dass er die Arbeit "allein" erledigt. 2) Unzählige Klicks werden täglich völlig überflüssigerweise gemacht, weil die verwendeten PC-Programme nicht richtig beherrscht werden bzw. der Überblick über die Funktionen und ihre sinnvolle Nutzung fehlt. Dadurch werden umständliche Wege gewählt, die Zeit und Nerven kosten. 3) Formulieren fällt vielen meiner Kollegen schwer. Eine mögliche Hilfe für den Alltag wären Textbausteine, die nur noch angepasst werden müssen. So aber wird sehr viel Zeit mit vorformulieren, schreiben, löschen, neuformulieren... vergeudet. 4) Hinzu kommt noch das Lamentieren über den Zeitmangel selbst. Ich habe Kollegen, welche täglich gut und gern eine geschlagene Stunde ihrer Arbeitszeit (nein, dass ist KEINE Übertreibung) damit verbringen, darüber zu reden, dass sie keine Zeit haben und sich gestresst fühlen. In der Stunde hätten sie die Aufgaben, über die da gesprochen wird, erledigen können. Bei uns stellen auch mangelnde Selbstreflexion und Problemlösefähigkeiten sowie das Ego einiger Mitarbeiter ein großes Problem in Bezug auf Selbst- und Zeitmanagement dar. Um etwas zu verändern, ist es nötig, dass der Betreffende erst mal erkennt, dass überhaupt ein Problem besteht. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Wer immer nur damit beschäftigt ist, sich aufzuplustern und hervorzutun, wird nicht einsehen und erst recht nicht zugeben, dass Bedarf an einer "Feinjustierung" der eigenen Arbeitsorganisation besteht. Unter diesen Voraussetzungen ist Veränderung aber nicht möglich. Hinzu kommt, dass überhaupt der Wunsch bestehen muss, dass es besser wird. Das sehe ich vielfach nicht. Ein Phänomen, das sich häufig beobachten lässt: Es geht um das Problem, nicht um dessen Lösung. Der "Gewinn" liegt sozusagen im Problem selbst, nicht darin, es zu lösen. Oder um es mit Annett Louisan zu sagen: "Geh mir weg mit deiner Lösung, sie wär' der Tod für mein Problem." Mir ist aber noch ein anderer Aspekt wichtig, der bisher nicht angesprochen wurde: An irgendeiner Stelle wurde von "Effizienz" gesprochen. Sicherlich ist diese wichtig, m.E. aber nur bis zu einem gewissen Grad. Ist dieser Überschritten, wird's kritisch. Denn was man nicht übersehen darf, ist: Die vermeintlichen Defizite im Selbst- und Zeitmanagement können auch genau das sein, was einem Mitarbeiter Atempausen verschafft und ihn somit gesund und leistungsfähig hält (siehe z.B. "Einfach mal vorm Kopierer stehen und beim Kopieren zuschauen"). Auch das Reden über Zeitmangel/Stress sorgt dafür, dass Pausen entstehen, in denen eben mal geredet statt geleistet wird und das fällt auch ein Stück weit unter "Psychohygiene", die in der Arbeitswelt eben wichtig ist. Will sagen: Solange man es nicht übertreibt, können kleine "Defizite" auch eine Ressource darstellen. Ich persönlich beneide das an meinen Kollegen manchmal. Neulich noch sagte mir eine unserer Praktikantinnen: "Boah, du bist aber auch echt straff durchorganisiert!" Da hat sie Recht, jedoch birgt das für mich auch Gefahren. Ich arbeite hoch effizient, das stimmt. Dadurch schaffe ich auch sehr viel, gut für meinen Chef. Aber dieser Umstand sorgt eben auch dafür, dass ich mich ständig am Limit bewege (und die gesundheitliche Quittung dafür auch schon bekommen habe). Für mich stellen kleine "Schwächen im Zeit- und Selbstmanagement" in Maßen also eine Fähigkeit dar, die mir fehlt. Ich habe noch immer keine Möglichkeit für mich gefunden, damit besser umzugehen, denn "weniger effizient arbeiten", "sich schlechter organisieren" oder "weniger lösungsorientiert/pragmatisch denken" ist eine schwierige Aufgabe! Und auch einen weiteren Punkt sehe ich eher kritisch: Zeitmangel/Stress KANN an einer mangelnden Selbstorganisation liegen, da stimme ich zu und sehe das vielfach auch im Alltag. Dann ist entsprechende Fortbildung oder - noch besser: individuellen Coaching - durchaus sinnvoll. Aber es kann eben auch ein Ausdruck dafür sein, dass einem Mitarbeiter tatsächlich zu viele Aufgaben aufgetragen werden (oder auch solche, für die ihm die Kompetenzen fehlen, sodass es sie ihn viel Zeit und Nerven kosten). Ich denke, es ist wichtig, das Problem auch dahingehend zu beleuchten. Denn sonst entsteht der Eindruck, dass man, egal wie hoch das Arbeitsaufkommen ist, mit vernünftiger Organisation ALLES schaffen kann und allein der Mitarbeiter mit seinem mangelnden Selbst-/Zeitmanagement die "Schuld" trägt, wenn es nicht funktioniert - m.E. ein gefährlicher Trugschluss. Also, um zum Ende zu kommen: Ich halte Zeit- und Selbstmanagement für ein wichtiges Thema, sehe es aber etwas komplexer als es vielfach dargestellt wird. Verschiedene Faktoren/Umstände/Voraussetzungen sind zu berücksichtigen, die in meinen Augen nicht nur Führungskräfte und/oder Selbständige betreffen, sondern auch Angestellte. Für "ergo-spezifisch" halte ich diese Punkte eher nicht. Viele Grüße und ein schönes Wochenende! Kinaa
Nicht alles, was Hand und Fuß hat, hat auch Herz und Hirn.
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Registriert seit: 31.08.2007
Beiträge: 519
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Geändert am 28.02.2015 12:18:00
@Kinaa: Hinter deinem Beitrag kann ich nur ein dreifaches Ausrufezeichen machen:!!!  Zitat / Kinaa hat geschrieben:Ich persönlich beneide das an meinen Kollegen manchmal. Neulich noch sagte mir eine unserer Praktikantinnen: "Boah, du bist aber auch echt straff durchorganisiert!" Da hat sie Recht, jedoch birgt das für mich auch Gefahren. Ich arbeite hoch effizient, das stimmt. Dadurch schaffe ich auch sehr viel, gut für meinen Chef. Aber dieser Umstand sorgt eben auch dafür, dass ich mich ständig am Limit bewege (und die gesundheitliche Quittung dafür auch schon bekommen habe). Für mich stellen kleine "Schwächen im Zeit- und Selbstmanagement" in Maßen also eine Fähigkeit dar, die mir fehlt. Ich habe noch immer keine Möglichkeit für mich gefunden, damit besser umzugehen, denn "weniger effizient arbeiten", "sich schlechter organisieren" oder "weniger lösungsorientiert/pragmatisch denken" ist eine schwierige Aufgabe!
Allerdings gibt es meines Erachtens noch einen weiteren Nachteil bei straff durchorganisierter und hocheffizienter Arbeitsweise. Wie du festgestellt hast, ist es gut für deinen Chef, wenn du überdurchschnittlich viel schaffst. Was für dich (und bestimmt viele andere, flöt...  ) ein weiterer Nachteil ist: Wenn über die durchschnittlichen Maße effizient und viel weg geschafft wird, legt man sich selbst die Messlatte sehr hoch, an der die eigene Leistungsfähigkeit durch Dritte bewertet wird. Wenn dann weniger geschafft wird (dieses Pensum durchschnittlich aber eher als "normal" anzusehen ist), könnte einem dies von Außenstehenden bereits als ein Leistungstief unterstellt werden. Es ist ja klar: Aus wirtschaftlichen Faktoren entsteht eine "Gier", durch die potentielle Vorgesetzte sich nicht mehr mit dem kleinen Finger zufrieden geben, wenn sie bereits über einen längeren Zeitraum die ganze Hand hatten. Außer es handelt sich um sehr fürsorgliche Vorgesetzte, die die Zeichen einer "Überarbeitung" erkennen und ihre Mitarbeiter dahin gehend coachen, zu einem guten Zeit- und Selbstmanagement zu gelangen. Und dass ist, da schließe ich mich der Meinung einiger anderer an, eher individuell und teamspezifisch zu lösen. Liebe Kinaa, ich wünsche dir den Mut zu "kleinen Schwächen im Zeit- und Selbstmanagement", da als Ergebnis dieser "hocheffizienten" Selbstfürsorge  schlussendlich die potentielle Vermeidung eines Burn-outs zu erwarten sein kann. Lieben Gruß, ergotron
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