Diskussionsforum
Behandlung abbrechen aus Selbstschutz
Registriert seit: 12.12.2021
Bundesland: Rheinland-Pfalz Beiträge: 29
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Geändert am 26.08.2023 04:57:00
Mich würde die rechtliche Grundlage interessieren, ob ich als AN, das Recht habe, bei verbalen, körperlichen und sexuellen Übergriffen die Behandlung abzubrechen. Als Berufsanfängerin wurde ich in meiner ersten Stelle von einem älteren Herrn sexuell belästigt. Immer wieder unangebrachte Kommentare zu meiner Oberweite, scherzhaft versucht mich zu küssen und schließlich hat er mich bei der Verabschiedung, ich habe es nicht kommen sehen, gegen die Wand gedrängt und begrabscht. Das war eine ganz blöde Situation für mich als junge Frau und als Berufsanfängerin konnte ich eine solche Situation nicht so resolut händeln bzw. direkt kommunizieren, wie jetzt. Von den Vorgesetzten bekam ich zu hören, der Herr sei nun mal so. An meinem ehemaligen Arbeitsplatz in der stationären Geriatrie gab es immer wieder aggressive (delirante) Patienten ohne jegliche Compliance. Diese Generation wollte mir gerne mal "Manieren beibringen" (Was fällt einer Ergo auch ein, den Patienten nicht zu massieren und dann soll er sich auch noch selbst die Schuhe anziehen, dabei ist die "Schwester" doch da und hat das zu machen usw.) Jeder, der geriatrisch gearbeitet hat, kennt diese Situationen. Wenn jemand privat die Hand gegen mich erhebt, ist für mich Sense. Aber auch diesen Situationen wurde ich immer wieder ausgesetzt, weil die ja ihre Einheiten in der Komplexbehandlung brauchen - trotz Rückmeldung an den Arzt. Die Ärzte haben auch die Ziele festgelegt (Mobilität, Selbstständigkeit) welche die Patienten gar nicht verfolgen wollten, die Therapeuten mussten das, daher war das da sehr schwierig. Kann mir aber auch nicht vorstellen, dass das in anderen Geriatrien anders läuft. Jetzt ein Fall, der mich selbst nicht betrifft. Ein geistig behinderter junger Mann mit viel Kraft verletzt die Therapeutin immer wieder mit blutigen Kratzwunden. Das kommt meistens zu Stande, weil er zur Therapiezeit, wenn die Therapeutin als HB in die Einrichtung kommt "keinen Bock" hat und lieber allein sein will. Therapeutin versucht zu interagieren und motivieren, da man ja auch unter (Zeit-) Druck steht. Die Therapeutin möchte den jungen Mann nicht mehr behandeln, da auch keine verfolgbaren Ziele gefunden werden können, sowie mangelnde Compliance. Der AG (Praxisinhaber) lehnt ab, der Patient muss weiter behandelt werden. Die Kratzwunden sind tief und abgesehen vom Infektionsrisiko unansehnlich. Der Patient krallt sich förmlich in den Arm. Hat die Therapeutin das Recht, die Weiterbehandlung abzulehnen? Mir kommt der Gedanke, dass das in der Pflege ja auch nicht geht.
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Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 235
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Hm, also ich muss sagen, die Erfahrungen die ich bisher in der Geriatrie gemacht habe entsprechen gar nicht dem, was du schilderst. Solcherlei Situationen habe ich bisher nicht erlebt. Mein erster Impuls/ Gedanke beim Lesen deiner Beschreibung war: Natürlich kann ich bei sexuellen oder sonstigen Übergriffen eine Fortsetzung der Behandlung ablehnen. (meine persönliche Meinung, kein rechtliches Fachwissen) Mein zweiter Gedanke ist: Such dir einen neuen Arbeitgeber. Das sollte in der aktuellen Arbeitsmarktsituation nicht sonderlich schwer sein. Mehr fällt mir dazu tatsächlich nicht ein. LG Salu
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
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Registriert seit: 21.11.2014
Beiträge: 99
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Weg da und gut Da gibt es keinerlei Diskussionsgrundlage. Wenn dein AG nicht damit einverstanden ist, dass du dort nicht mehr behandeln möchtest, dann weg vom AG. Lass dir nichts erzählen, lass dich nicht "missbrauchen", schon gar nicht von einem uneinsichtigen AG Du findest ganz schnell überall was !
"Man hilft den Menschen nicht, wenn man für sie tut, was sie selbst tun können!" - Abraham Lincoln -
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Registriert seit: 10.02.2005
Bundesland: Niedersachsen Beiträge: 720
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Als Therapeut hat man genausowenig die Pflicht, körperliche, sexuelle oder verbale Gewalt hinzunehmen wie als Bankangestellte/r oder Handwerker/in. Was immer Dich während Deiner Berufsausübung belastet oder gar gefährdet, sollte Deinen Arbeitgeber dazu bewegen, Dich bzw. Deine Kollegin sofort von dieser Tätigkeit freizustellen. Therapie und Hilfestellungen aller Art dürfen weder beim Patienten noch bei der Therapeutin zu Schaden führen. Als Angestellte/r würde ich den Kontakt mit diesen Patienten verweigern und Solidarität vom Arbeitgeber und evtl. vom Team verlangen. Ein Arbeitgeber, der dies nicht beachtet, verletzt seine Aufsichtspflicht (ob es diese gesetzlich gibt, weiß ich nicht, aber moralisch auf jeden Fall). Karsten
R46.2 – und Spaß dabei!
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Registriert seit: 20.07.2018
Bundesland: Nordrhein-Westfalen Beiträge: 98
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ich bin etwas schockiert das zu lesen. ich hoffe sehr, dass du jeden einzelnen Vorfall zur Anzeige gebracht hast. Ich persönlich würde den AG sofort wechseln, wenn der mich "zwingt" unter solchen Umständen zu arbeiten. Ich arbeite in der Akutpsychiatrie und hier wird jeder Übergriff sofort zur Anzeige gebracht und die Mitarbeiter auch entsprechend angehalten, dies zu tun.
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Registriert seit: 06.05.2008
Beiträge: 1225
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Natürlich kannst du dich jederzeit verbal wehren und auch direkt abbrechen. Bei mir fliegt derjenige gerne aus dem Zimmer. Und es gibt ein Gespräch mit dem Oberarzt oder dem Psychologen. Meist sind sie dann sehr kleinlaut. Manche Männer scherzen lange herum und werden dann immer Distanzloser. Das ist oftmals auch krankheitsbildbedingt. Wenn es gar nicht geht und keine Einsicht besteht, wird an einen männlichen Kollegen weitergegeben. Übrigens auch andersherum. Es gibt viele ältere Damen die gerne einen jungen Lliebhaber hätten und grabschen oder verbal auffällig werden, Das der AG sagt der ist so ohne Lösungsansatz geht gar nicht.
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Registriert seit: 30.07.2001
Bundesland: Baden-Württemberg Beiträge: 173
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Als PI sollte man schon mal von der Fürsorgepflicht des AG als sog. Nebenpflicht gehört haben !? Sie gilt bei Abschluss des Arbeitsvertrages automatisch und für jede Art des Arbeitsverhältnisses.
3~°
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Registriert seit: 12.12.2021
Bundesland: Rheinland-Pfalz Beiträge: 29
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Danke für eure Antworten.
Ich habe mittlerweile einen anderen Arbeitgeber. Der letzte geschilderte Vorfall betrifft nicht mich, sondern eine befreundete Ergotheapeutin.
In der Geriatrie war das tatsächlich öfters so. Das lag daran, dass die Ärzte Ziele festgelegt haben, gegen den Willen der Patienten und auf uns Therapeuten Druck aufgebaut haben. Alles der Wirtschaftlichlichkeit wegen. Das war furchtbar. Die Leute wollten einfach ihre Ruhe oder tatsächlich den letzten Weg bestreiten und wurden in die GKB gesteckt, damit Geld reinkommt. Ja, und dann der Generationenkonflikt. Früher haben die netten "Schwestern" (alle mit Kasak sind bei einigen automatisch Schwestern) noch Service gemacht und die Kranken verwöhnt. Dass dann jemand Junges um die Ecke kommt und einen freundlich auffordert, es selbst zu versuchen, war für einige - trotz Erklärung eine Frechheit. Ich habe mir fast ne Ohrfeige gefangen, (konnte noch ausweichen), weil ich der Dame nicht die Socken und Schuhe angezogen habe, wie sie es barsch von mir verlangt hat. Oder der ältere Herr, der gefälligst massiert werden wollten. Auch von Angehörigen wurde die Hand gegen mich erhoben, weil sie mit dem Krankenhaus allgemein unzufrieden waren und ich die erst beste "Schwester" in Reichweite war. Ich bin so froh, nicht mehr im Krankenhaus arbeiten zu müssen. Vor allem weil mir nicht gestattet wurde, die Therapie mit solchen Klienten zu beenden.
In meinem jetzigen Arbeitsverhältnis werde ich ernst genommen. Hatte da auch den Fall, dass sich ein älterer Herr völlig incompliant zeigte (der Wunsch nach Therapie ging von der Frau aus) und nachdem mir die immer wiederkehrende aggressive Haltung zu viel wurde, durfte ich die Therapie nach Absprache beenden.
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Registriert seit: 24.07.2023
Beiträge: 26
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Geändert am 25.08.2023 19:10:00
Hallo liebe Lerchenblick, fühl dich einmal ganz lieb gedrückt. Auch, wenn das andere - zum Glück - noch nicht erlebt haben, so habe ich bei meiner 1. Stelle in der Gerontopsychiatrie Ähnliches erlebt. Dass dort Hände erhoben werden, ist sozusagen erwartbar, vor allem bei Frontotemporal- und Korsakow-Patienten. Sexuelle Belästigung hatte ich bei eher körpernahen Bereichen wie z.B. der Orthopädie. Dort versuchte mich ein älterer Herr mit schmierigen Schilderungen seiner sexuellen Fantasien gegen einen Tisch zu drücken. Hat er nicht geschafft, da ich ihn des Raumes verwiesen habe. Er hatte das offensichtlich nicht erwartet und war sehr irritiert. Da ich dann allerdings schon einige Jahre Berufserfahrung auf dem Buckel hatte, hab ich diesen Vorfall sofort gemeldet und die absolute Erwartung an meinen Arbeitgeber gehabt, dass dieser seiner Fürsorgepflicht nachkommt. Ich hab die beiden Worte deshalb unterstrichen, weil sie elementar dafür stehen, worauf du das nächste Mal bzw. grundsätzlich achten solltest: Du kannst absolut erwarten, dass dein Arbeitgeber auf solche Dinge reagiert. Tut er das nicht, verletzt er seine Fürsorgepflicht, die für ihn rechtlich bindend ist. Man kann natürlich auch emotional bewerten, dass der AG sich um seine Mitarbeiter sorgen müsste - dies ist jedoch sehr oft nicht (mehr) der Fall, besonders in Großkonzernen nicht, wo jeder nur noch eine Nummer ist. Bei familiären Praxen mag das sicherlich noch anders sein (und ist ein große Plus). Ich empfehle dir auch den Arbeitgeber zu wechseln und kann dir nur Kurse zur Resilienzbildung bzgl. sexueller Übergriffe am Arbeitsplatz ans Herz legen. Ich habe die privat gemacht und man lernt dort nicht, es "besser auszuhalten", sondern das solche Verhaltensweisen anders bei einem ankommen und man sie damit auch verarbeiten kann, ohne dass sie einem zu nahe gehen. Denn ich befürchte, dass sich solche Verhaltensweisen in sämtlichen Bereichen noch häufen werden. Dein Selbstschutz ist das höchste Gut, denn er ist Teil deiner Gesundheit. Liebe Grüße und viel Erfolg! Zitat / Lerchenblick hat geschrieben:Mich würde die rechtliche Grundlage interessieren, ob ich als AN, das Recht habe, bei verbalen, körperlichen und sexuellen Übergriffen die Behandlung abzubrechen.
Als Berufsanfängerin wurde ich in meiner ersten Stelle von einem älteren Herrn sexuell belästigt. Immer wieder unangebrachte Kommentare zu meiner Oberweite, scherzhaft versucht mich zu küssen und schließlich hat er mich bei der Verabschiedung, ich habe es nicht kommen sehen, gegen die Wand gedrängt und begrabst. Das war eine ganz blöde Situation für mich als junge Frau und als Berufsanfängerin konnte ich eine solche Situation nicht so resolut händeln bzw. direkt kommunizieren, wie jetzt. Mein AG meinte daraufhin nur, der Herr sei nun mal so. Am liebsten hätte ich ihn nicht mehr behandelt, aber musste es weiter tun- gute Miene zum bösen Spiel.
In der stationären Geriatrie gab es immer wieder aggressive (delirante) Patienten ohne jegliche Compliance. Diese Generation wollte mir gerne mal "Manieren beibringen" (Was fällt einer Ergo auch ein, den Patienten nicht zu massieren und dann soll er sich auch noch selbst die Schuhe anziehen, dabei ist die "Schwester" doch da und hat das zu machen usw.) Jeder, der geriatrisch gearbeitet hat, kennt diese Situationen. Wenn jemand privat die Hand gegen mich erhebt, ist für mich Sense. Aber auch diesen Situationen wurde ich immer wieder ausgesetzt, weil die ja ihre Einheiten in der Komplexbehandlung brauchen - trotz Rückmeldung an den Arzt. Die Ärzte haben auch die Ziele festgelegt (Mobilität, Selbstständigkeit) welche die Patienten gar nicht verfolgen wollten, die Therapeuten mussten das, daher war das da sehr schwierig. Kann mir aber auch nicht vorstellen, dass das in anderen Geriatrie anders läuft.
Jetzt ein Fall, der mich selbst nicht betrifft. Ein geistig behinderter junger Mann mit viel Kraft verletzt die Therapeutin immer wieder mit blutigen Kratzwunden. Das kommt meistens zu Stande, weil er zur Therapiezeit, wenn die Therapeutin als HB in die Einrichtung kommt "keinen Bock" hat und lieber allein sein will. Therapeutin versucht zu interagieren und motivieren, da man ja auch unter (Zeit-) Druck steht. Die Therapeutin möchte den jungen Mann nicht mehr behandeln, da auch keine verfolgbaren Ziele gefunden werden können, sowie mangelnde Compliance. Der AG (Praxisinhaber) lehnt ab, der Patient muss weiter behandelt werden. Die Kratzwunden sind tief und abgesehen vom Infektionsrisiko unansehnlich. Der Patient krallt sich förmlich in den Arm. Hat die Therapeutin das Recht, die Weiterbehandlung abzulehnen? Mir kommt der Gedanke, dass das in der Pflege ja auch nicht geht.
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