Anzeigen:
Sie sind hier: Forum >> Ergotherapie-Forum >> Fachbereich Geriatrie >> Ablehnen von angeordneten Tests/Assessments

Diskussionsforum

Ablehnen von angeordneten Tests/Assessments

Optionen:
16. November 2023 17:53 # 1
Fee89
Fee89
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 19

Geändert am 16.11.2023 17:54:00
Hallo zusammen,
ich würde mich über Meinungen bei folgendem Thema/Situation freuen:
Ich muss mit einem Patienten in der Geriatrie die üblichen Standarttest machen, nehmen wir z.B. den MMSE. Der Patient ist soweit geistig klar. Trotz mehrfacher Aufklärung (ist vom Arzt angeordnet, ist bei jedem Patient angeordnet, erklären dass wir nicht denken er/sie sei geistig eingeschränkt, gehört zur Routine etc) lehnt er den Test ab.

Überredet/Zwingt ihr den Patient dann so lange bis er mitmacht? oder akzeptiert ihr das Ablehnen dann als "Freien Willen" des Patienten und haltet entsprechend Rücksprache mit dem Arzt, dokumentiert das so und füllt (falls so vorgegeben) den Erweiterten Barthel Index aus?
16. November 2023 18:17 # 2
Registriert seit: 07.02.2022
Bundesland: Baden-Württemberg
Beiträge: 25

Würde ich dokumentieren und da vom Arzt ja angeordnet, Arzt Rückmeldung geben.
Man kann niemanden zwingen. Man darf auch niemanden zwingen.
16. November 2023 18:32 # 3
Fee89
Fee89
Ehemaliges Mitglied
Beiträge: 19

Zitat / Mondenkind hat geschrieben:
Würde ich dokumentieren und da vom Arzt ja angeordnet, Arzt Rückmeldung geben.
Man kann niemanden zwingen. Man darf auch niemanden zwingen.


Sehe ich absolut genau so! Ich erlebe Kollegen die dann wirklich den Patienten zwingen und der Patient dann im weiteren Verlauf nicht gut auf die Ergotherapie zu sprechen ist ::blink::
"Die Tests sind wichtig für die Abrechnung" hin oder her für mich zählt es mehr den Wille des Patienten zu respektieren.
Ich informiere dann den Patienten, dass ich dies so dokumentiere und den Arzt darüber informieren muss. In fast allen diesen Fällen ist das für den Arzt ok. Wenn der Patient unauffällig bleibt ist das Thema abgehakt wenn nicht probiert man es im Verlauf evtl nochmals
17. November 2023 07:19 # 4
Registriert seit: 05.04.2010
Beiträge: 924

Hallo,
Ich muss den MMSE und den GDS auch als Aufnahmeassessment machen. Meistens sind ja die Patienten kooperativ.
Verweigert ein Patient tatsächlich, erkläre ich ihm, dass ich die Fragen meist genauso bescheuert finde und dass sich das Leute am Schreibtisch ausgedacht haben, die keine Ahnung haben, wie man sich fühlt, wenn einem sowas gestellt wird. Manchmal hilft das.
Verweigert der Patient trotzdem, dokumentiere ich, dass er abgelehnt hat und versuche es ein paar Tage später nochmal.

Vg
17. November 2023 09:10 # 5
Registriert seit: 30.09.2021
Beiträge: 443

Geändert am 17.11.2023 09:27:00
Zitat / Fee89 hat geschrieben:
Hallo zusammen,
ich würde mich über Meinungen bei folgendem Thema/Situation freuen:
Ich muss mit einem Patienten in der Geriatrie die üblichen Standarttest machen, nehmen wir z.B. den MMSE. Der Patient ist soweit geistig klar. Trotz mehrfacher Aufklärung (ist vom Arzt angeordnet, ist bei jedem Patient angeordnet, erklären dass wir nicht denken er/sie sei geistig eingeschränkt, gehört zur Routine etc) lehnt er den Test ab.

Überredet/Zwingt ihr den Patient dann so lange bis er mitmacht? oder akzeptiert ihr das Ablehnen dann als "Freien Willen" des Patienten und haltet entsprechend Rücksprache mit dem Arzt, dokumentiert das so und füllt (falls so vorgegeben) den Erweiterten Barthel Index aus?
Du hast hier zwei Rechtsgebiete, das Arbeitsrecht und das Patientenrechtegesetz, die du beachten mußt. Dein Arbeitgeber gibt dir vor was du wann, wo und wie zu tun hast. Dein Arbeitgeber fordert von dir eine feste Arbeitsstruktur, egal ob du sie gut oder schlecht findest. Er bezahlt dich dafür, das du seinen Arbeitsanweisungen Folge leistest. Dein Arbeitgeber muss selbst Arbeitsstandarts einhalten und dokumentieren um seine Leistungen gegenüber seinem Auftraggeber abrechnen zu können. Da ist kein Platz für die Selbstverwirklichung von individuellen Arbeitnehmern. Wenn der Patient nicht mitwirken will, dann kommt zusätzlich noch das Patientenrechtegesetz hinzu. Um beides zu vereinen, sollte es von deinem Arbeitgeber Standarts geben, wie in deinem Fall mit der Verweigerung der Zusammenarbeit des Patienten umgegangen werden soll/muss. Hier kann es von der Akzeptanz des Patientenwillens, über ein wiederholtes/immer wiederkehrendes Angebot, bis zu einer vorzeitigen Entlassung des Patienten wegen mangelnder Mitarbeit, geregelt sein. Dafür muss jedoch alles ausreichend dokumentiert und zeitnah mit den zuständigen Stellen kommuniziert werden.

Ein Bauchgefühl und "Ich finde das auch doof." sind äußerst unprofessionell und kontraproduktiv. Das zeigt eigentlich nur, dass ihr nicht hinter eurer Arbeit steht und erweckt den Eindruck bei den Patienten und deren Angehörigen, dass ihr keine oder nur wenig Ahnung habt was ihr hier eigentlich tut, ihr keine Profis eures Faches sondern nur Hilfspersonal seid. Wie soll der Patient da Vertrauen und Sicherheit gegnüber euch und der Einrichtung aufbauen. Meist wollte der Patient noch nicht einmal zu euch und wurde dafür überredet oder auch gar nicht erst gefragt.

Ob der Patient in der Aufnahmesituation wirklich "soweit geistig klar" ist, das ist nur eine subjektive Wahrnehmung. Viele Patienten haben für sich über Jahre Strategien entwickelt, um in der Öffentlichkeit nicht aufzufallen. Auch dementen Patienten fällt auf, das etwas mit ihnen nicht stimmt und entwickeln Handlungs- und Vermeidungsstrategien um zu "überleben". Wie willst du das im Erstkontakt mit deinem "professionellen" Bauchgefühl überprüfen, wenn noch nicht einmal die direkten Angehörigen es oft lange Zeit im täglichen Kontakt nicht mitbekommen haben? Patienten hören täglich das Radio und können dir daher das Jahr, die Jahreszeit, den Tag und die Tageszeit benennen, haben jedoch keinen persönlichen Bezug mehr zu den automatisierten Handlungen und können bei vielen Test keine altersgemäße Leistung erbringen. Wie ein Patient wirkt und wie er in Wirklichkeit ist, das können zwei ganz verschiedene Welten sein. Die Verweigerung von bestimmten Leistungen ist die einfachste Form von Kompensation. Entweder versteht er nicht was du von ihm willst, oder er kennt seine Defizite in diesen Bereich genau und verweigert sich deswegen. In den allerwenigsten Fällen stufen die Patienten den Test als kindisch ein und verweigern diesen deswegen, weil sie ihn unter ihrer Wüde ansehen. Das sollte aber dir, und jedem der mit diesem Klientel arbeitet, als Profi eigentlich bekannt sein.

"Lebe im Heute als wenn es kein Morgen geben würde. Wenn es doch ein Morgen gibt, um so besser für dich."
17. November 2023 13:49 # 6
Registriert seit: 15.10.2016
Beiträge: 26

Geändert am 17.11.2023 13:50:00
Ich sehe es so wie Onkel Tom. Wir sind selber abwertend unserem Beruf gegenüber wenn wir einen MMSE als unnötig beschreiben. Dabei ist es mir schon häufig so ergangen dass Patienten denen ich als unauffällig eingeschätzt hätte im Kontakt doch sehr klare Defizite hatten die wir dann auch behandeln konnten.
Mein Ansatz ist daher immer zu erklären warum man diesen Test macht. Ich sage da bei skeptische Personen nicht „Test“ sondern „eine Liste mit 30 kurzen Fragen“ Bei denjenigen die ablehnend sind begründe ich es damit dass wir so feststellen können dass wirklich alles in Ordnung ist. Auch häufig nehme ich vorangegangen Narkosen als Erklärung dass es nach Narkosen häufig zu Gedächtnislücken kommt (das wird fast immer bestätigt vom den betroffenen)
Und immer sind die Leute dann im Anschluss froh mitgemacht zu haben: entweder sie haben ein positives Ergebnis und sind darüber froh. Oder sie merken dass sie Schwierigkeiten haben und sind froh dass wir daran arbeiten können in der Therapie.
Gutes Gelingen!
Optionen:

nach oben scrollen