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Patientenausfall bei Minijob

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25. Juni 2024 21:21 # 1
Registriert seit: 24.07.2023
Beiträge: 26

Geändert am 25.06.2024 21:45:00
Hallo,

ich arbeite nebenbei auf Minijob-Basis in einer Praxis: Keine feste Wochenarbeitszeit im Vertrag, kein fester Monatslohn, sondern Stundenbasis, aber feste Patienten. Meine Wochenarbeitszeit beträgt ca. 2 - 4 Stunden. Ich führe ein monatliches Arbeitszeitkonto, was ich bei meinem Arbeitgeber einreiche.
Nun kommt es immer mal wieder vor, dass Patienten nicht erscheinen und dann auch nicht absagen (meistens sind es die letzten Patienten). Sie unterschreiben einen Vertrag mit entsprechender Verpflichtung mind. 24h vorher abzusagen, da sonst die Einheit in Rechnung gestellt wird (das wird aber oft nicht gemacht).

Von anderen Praxen kenne ich es so, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt und der Arbeitgeber in der Verantwortung ist die Zeit mit Arbeit zu füllen (unternehmerisches Risiko). So weit so gut.
Nun frage ich mich allerdings, ob das bei einem Minijob ohne feste Wochenarbeitszeit und ohne festen Monatslohn auch so ist. Oder reicht es, wenn ich die eigentlich geplante Therapiezeit versuche so gut es geht zu füllen (den nächsten Tag vorbereiten, Berichte etc,) und dann nach Hause gehe, damit also auch auf Geld verzichte?
Vor- und Nachbereitungszeit habe ich bisher nur ganz selten als Arbeitszeit dazu gerechnet, da ich das nur so kenne, dass man das in den Therapiezeiten selbst macht (und die Therapie dann nicht ganz 30/45/60 Minuten geht). Kennt dazu jemand eine Grundlage?

Zuvor habe ich kommuniziert, dass ich mit meinem Stundenlohn gern auf mind. 300 EUR zusätzlich im Monat kommen möchte. Dafür muss ich im Monat auf über 14 Stunden kommen. Das klappt schon mit den zuverlässigen Stammpatienten kaum, wenn aber ständig Patienten nicht erscheinen, funktioniert das erst recht nicht. Habt ihr einen Rat?

Vielen Dank
Elfe
25. Juni 2024 23:11 # 2
Registriert seit: 30.09.2021
Beiträge: 447

Zitat / KravMaga-Elfe hat geschrieben:
Hallo,

ich arbeite nebenbei auf Minijob-Basis in einer Praxis: Keine feste Wochenarbeitszeit im Vertrag, kein fester Monatslohn, sondern Stundenbasis, aber feste Patienten. Meine Wochenarbeitszeit beträgt ca. 2 - 4 Stunden. Ich führe ein monatliches Arbeitszeitkonto, was ich bei meinem Arbeitgeber einreiche.
Nun kommt es immer mal wieder vor, dass Patienten nicht erscheinen und dann auch nicht absagen (meistens sind es die letzten Patienten). Sie unterschreiben einen Vertrag mit entsprechender Verpflichtung mind. 24h vorher abzusagen, da sonst die Einheit in Rechnung gestellt wird (das wird aber oft nicht gemacht).

Von anderen Praxen kenne ich es so, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft zur Verfügung stellt und der Arbeitgeber in der Verantwortung ist die Zeit mit Arbeit zu füllen (unternehmerisches Risiko). So weit so gut.
Nun frage ich mich allerdings, ob das bei einem Minijob ohne feste Wochenarbeitszeit und ohne festen Monatslohn auch so ist. Oder reicht es, wenn ich die eigentlich geplante Therapiezeit versuche so gut es geht zu füllen (den nächsten Tag vorbereiten, Berichte etc,) und dann nach Hause gehe, damit also auch auf Geld verzichte?
Vor- und Nachbereitungszeit habe ich bisher nur ganz selten als Arbeitszeit dazu gerechnet, da ich das nur so kenne, dass man das in den Therapiezeiten selbst macht (und die Therapie dann nicht ganz 30/45/60 Minuten geht). Kennt dazu jemand eine Grundlage?

Zuvor habe ich kommuniziert, dass ich mit meinem Stundenlohn gern auf mind. 300 EUR zusätzlich im Monat kommen möchte. Dafür muss ich im Monat auf über 14 Stunden kommen. Das klappt schon mit den zuverlässigen Stammpatienten kaum, wenn aber ständig Patienten nicht erscheinen, funktioniert das erst recht nicht. Habt ihr einen Rat?

Vielen Dank
Elfe
Nimm deinen Vertrag und lass diesen von einem Fachanwalt für Arbeitsrecht, oder von deinem Berufsverband, oder von deiner Gewerkschaft überprüfen. Nur ein Anwalt kann dir eine rechtssichere Auskunft geben.

Kurzfristige Absagen, die ihr ja dem Patienten laut Vertrag in Rechnung stellen wollt, dürften nicht zu deinen Lasten gehen. Da dein Arbeitgeber ja für diese Zeiten Einnahmen generiert, so steht es ja im Vertrag mit dem Patienten, steht dir für diese Zeiten auch dein Gehalt/Lohn zu. Das dein Arbeitgeber sich selbst nicht an seine mit den Patienten geschlossenen Verträge hält, das kann er dir jedoch nicht anlasten indem er dich für diese Zeiten einfach nicht bezahlt. Hier wälzt er sein unternehmerisches Risiko komplett auf dich ab.

Wie euer Arbeitsvertrag sonst deine Arbeitszeiten regelt, und ob dies so rechtens ist, das wäre jetzt nur reine Spekulation unsererseits ohne Rechtsanspruch.
"Lebe im Heute als wenn es kein Morgen geben würde. Wenn es doch ein Morgen gibt, um so besser für dich."
26. Juni 2024 06:57 # 3
Registriert seit: 24.07.2023
Beiträge: 26

Hallo,

vielen Dank für die Info. So hatte ich es auch im Gedächtnis. Mir war nur nicht klar, ob das auch bei Stundenbasis-Arbeit gilt.

Den AV brauche ich nicht prüfen lassen, da es dazu ja keine Fragen gibt. Ich arbeite auf Stundenbasis, da ich eben kein Festgehalt möchte und ggf. meine verpflichteten Stunden nacharbeiten muss. Die Pflicht des Arbeitgebers mir Arbeit zu beschaffen hat nichts mit dem AV zu tun, gleichwohl würde ich gern wissen, ob jemand hier Erfahrung dabei hat eine Mindeststundenzahl gemeinsam mit dem Arbeitgeber festgelegt zu haben. ::smile:: Ein bisschen finanzielle Planungssicherheit braucht man ja.

Viele Früße
Elfe
14. September 2025 13:19 # 4
Registriert seit: 24.07.2023
Beiträge: 26

Geändert am 14.09.2025 13:34:00
Aktuell wie nie, daher hole ich das Thema mal wieder rauf:
Ich arbeite auf Stundenbasis (damit ich flexibel bin) und nicht auf Basis eines festen Monatsgehaltes. Das würde auch Plus- und Minusstunden mit sich bringen, die ich vermeiden möchte. In Austausch mit anderen habe ich erfahren, dass es auch dort normal ist, dass auf Stundenbasis mal Patienten vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden und mal nicht. Offenbar ist das Normalität. Rechtlich habe ich dazu immer noch nichts Konkretes gefunden und freue mich über Austausch über geltendes Arbeitsrecht. Es ist ja eine Sache, dass ich die Arbeitszeit flexibel gestalten kann, aber eine andere, bei einer geplanten Arbeitszeit diese nicht gefüllt bekomme! Oder?

Bei einer Hospitation in einer anderen Praxis habe ich gerade mitbekommen, wie bei Arbeitnehmern mit Festgehalt in Vollzeit einfach "Freizeit" eingetragen wird, wenn die Verwaltung dort es nicht gebacken kriegt einen Nachfolgepatienten für sie einzutragen. Mir wird schwindelig wenn ich sowas sehe und alle Ergotherapeuten dort nicken nur und sagen "Ja, wir wissen, dass das eigentlich nicht rechtens ist." Ich dachte nicht, dass das heutzutage in Praxen immer noch so verbreitet ist und das erschreckt mich sehr. Ich überlege, mich wieder Richtung Reha-Kliniken zu orientieren in meinem Nebenjob. Dort verdient man zwar nicht so viel, kann sich aber sicher sein, dass man nach dem Hauptjob eben auch Arbeit hat und nicht x Stunden mit Terminorganisation und Ersatzplanung verbringt und im schlechtesten Fall Däumchen dreht und dann weniger Geld hat.

Viele Grüße
KravMaga-Elfe
18. September 2025 16:44 # 5
Registriert seit: 01.04.2008
Beiträge: 51

Zitat / KravMaga-Elfe hat geschrieben:
Aktuell wie nie, daher hole ich das Thema mal wieder rauf:
Ich arbeite auf Stundenbasis (damit ich flexibel bin) und nicht auf Basis eines festen Monatsgehaltes. Das würde auch Plus- und Minusstunden mit sich bringen, die ich vermeiden möchte. In Austausch mit anderen habe ich erfahren, dass es auch dort normal ist, dass auf Stundenbasis mal Patienten vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden und mal nicht. Offenbar ist das Normalität. Rechtlich habe ich dazu immer noch nichts Konkretes gefunden und freue mich über Austausch über geltendes Arbeitsrecht. Es ist ja eine Sache, dass ich die Arbeitszeit flexibel gestalten kann, aber eine andere, bei einer geplanten Arbeitszeit diese nicht gefüllt bekomme! Oder?

Bei einer Hospitation in einer anderen Praxis habe ich gerade mitbekommen, wie bei Arbeitnehmern mit Festgehalt in Vollzeit einfach "Freizeit" eingetragen wird, wenn die Verwaltung dort es nicht gebacken kriegt einen Nachfolgepatienten für sie einzutragen. Mir wird schwindelig wenn ich sowas sehe und alle Ergotherapeuten dort nicken nur und sagen "Ja, wir wissen, dass das eigentlich nicht rechtens ist." Ich dachte nicht, dass das heutzutage in Praxen immer noch so verbreitet ist und das erschreckt mich sehr. Ich überlege, mich wieder Richtung Reha-Kliniken zu orientieren in meinem Nebenjob. Dort verdient man zwar nicht so viel, kann sich aber sicher sein, dass man nach dem Hauptjob eben auch Arbeit hat und nicht x Stunden mit Terminorganisation und Ersatzplanung verbringt und im schlechtesten Fall Däumchen dreht und dann weniger Geld hat.

Viele Grüße
KravMaga-Elfe


Ja, erschreckend, da hast du Recht. Erschreckend finde ich auch, dass viele Praxen am Fließband tackten und die Vor- und Nachbereitungszeiten ein 100%-Bonus für den Chef sind. Rechne mal hoch: 6 Patienten am Tag, ergibt 1,5h für Orga, die dem Arbeitnehmer nicht gewährt wird? Dann soll der Chef sich dahinsetzen und die gesamte Orga für deine Patienten übernehmen, damit du rahmenvertragskonform arbeiten kannst, ohne Pipi- und Trinkpausen natürlich (Sarkasmus off). Im Rahmenvertrag steht ganz klar "Therapiezeit ist ausschließlich mit Therapie am Patienten zu füllen" (in anderem Wortlaut) und nicht zum Terminieren, Berichte schreiben o.ä. Organisatorisches vorgesehen! Dass sowas überhaupt funktionieren kann in der echten Praxis?? Wenn der Therapeut aufs Klo muss oder durstig ist, soll das auch in der "Therapiezeit" eines Patienten geschehen??? Unfassbar. Ich verstehe ja, dass die Vergütung der GKV unterirdisch ist, aber als Praxisinhaber sollte klar sein, dass dieser Beruf nicht reich machen kann.
29. Oktober 2025 21:28 # 6
Registriert seit: 24.07.2023
Beiträge: 26

Geändert am 29.10.2025 21:30:00
Ja, ich finde allerdings, dass es eben auch immer zwei Seiten geben muss: Eine, die sich erdreistet es zu machen und eine, die es MIT SICH MACHEN LÄSST Eigenverantwortung und gesunde Grenzsetzung ist da das A und O. In einer Berufssparte, wo man wirklich darauf achten kann, sofern man gute Arbeit leistet, ist es mir unverständlich, dass sich (natürlich alles Frauen) so unter Wert verkaufen. Ich will hier keine Paralleldiskussion lostreten, aber sich zu beschweren, dass man unter Wert bezahlt / behandelt wird und SICH SELBST unter Wert behandeln, rechtfertigt es nicht mehr, sich zu beschweren. Sorry. Da ist man einfach selbst Schuld. Man ist für sich selbst verantwortlich und niemand sonst.

Ich selbst habe das mittlerweile gut im Griff und ziehe mich aus der Telefoniererei raus. Wenn ich organisieren, dann nur, wenn ich eh in der Praxis bin. Und wenn ich dafür dann keine Zeit mehr habe, muss es jemand anderes machen. Das passiert auch, ohne Probleme. ::smile:: Grenzsetzung kann auch etwas Positives bewirken, vorausgesetzt, man hat eben eine Praxis, die die Arbeit, die man macht, auch Wert schätzt.
Die andere Praxis, wo ich hospitiert habe, werde ich auch keinem meiner Kolleginnen empfehlen, die mich danach fragen (in unserem Umkreis kennt quasi jeder Therapeut jeden ^^). Und sie wollen "die federführende Therapieeinrichtung in der Gegend werden" (so O-Ton der Chef). Er klingt für mich eher jemand, der ein Klinik-Imperium aufbauen will. Ja lol o.O Da hat er sich den falschen Unterbereich ausgesucht. Die Fluktuation dort ist gigantisch (zumindest im Physiobereich), wen wundert´s...::rolleyes::
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