Hallo in die Runde,
wenn ich schon hier lese, wie wild "Gewinn", "Ertrag", "Brutto" und "Gehalt" umeinandergeworfen werden...
Fakt ist: Wer als Praxeninhaber viele Behandlungen am Tag macht und das fünf oder sechs Tage die Woche, 5 Wo. Urlaub / krank, der verdient sich schon ein goldenes Lätzchen.
Wenn man sehr effizient und steuersparsam wirtschaftet, seine Abläufe strafft, motivierte Mitarbeiter hat, die wenig krank sind und tough Leistung bringen, kann seinen MA locker ein Bruttogehalt von 5000€ bezahlen.
Dann komme ich auch auf solche Summen.
Aber: Und jetzt kommt das große ABER: Was ist in den Zeiten, die trüb sind? In denen der junge dynamische Herr Praxisinhaber seine Hüfte operieren lassen muss oder seine Sattelgelenkarthrose behandeln lassen muss? Was ist mit Kinderziehung, Schwangerschaften usw.? Was mit den Zeiten, in denen sich kranke MA die Klinke in die Hand geben, oder durch MA-Wechsel weniger Synergieeffekte zu erzielen sind? Oder einer nach dem anderen die teure Riesenpraxis (Miete im Ärztehaus) verlässt, und fast keiner mehr auf den 250m2 da ist? Oder Einarbeitungsphasen, Fobis usw. anstehen, um die endlich gefundenen neuen Mitarbeitenden auf Kurs zu bringen? Wenn ich als PI älter werde und nicht mehr so viel arbeiten will (oder, hört, hört, nicht mehr so viel arbeiten kann?)
Dann kommt die Gesamtrechnung;
Ich bin jetzt 56, 31 Jahre selbständig, ich habe dick Schotter gemacht (unter uns gesagt, am meisten als freie Mitarbeiterin), weil ich 6 Tage die Woche gearbeitet habe und nur drei Wochen Urlaub im Jahr gemacht habe.
Dann kam die eigene Praxis, drei Kinder, alleinerziehend sein, Praxis wurde immer größer und teurer (aber nicht effizienter), dann wieder kleiner.
Ich habe alles erlebt. Ganz tolle Jahre, ganz miese Jahre; Das gilt es doch am Ende zu überblicken;
Lasst euch die Augen nicht wischen. Rechnet kühl und mit einer guten Spanne für Unvorhergesehens; Und verwechselt nicht Umsatz mit Gewinn nach Steuern; Und Gewinn nach Steuern mit dem "Gehalt" als Praxisinhaber. Denn ohne gehörige Rücklagen aus dem tollen "Gewinn" muss ich meine schlechten Zeiten bestreiten. S.o.
Ich konnte gut von meiner Praxis leben, konnte auch ohne Unterhalt des Vaters die Kinder auf eine private Schule schicken und habe in der Regel fast alle Ferienzeiten frei gehabt. Bzw. haben MÜSSEN, da die Kinderbetreuung / Kinderfrau da eben auch frei hatte.
Machbar ist alles, wenn man mit spitzer Feder rechnet und Fairness und Ehrlichkeit Raum gibt;
Lieben Gruß,
kaenguru
Im Alter möchte ich nicht jung aussehen, sondern glücklich.