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Umgang mit Schizophrenie im Pflegeheim

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23. April 2025 18:26 # 1
Registriert seit: 22.10.2022
Beiträge: 34

Liebe Community, ich arbeite als Ergo im Pflegeheim und aktuell haben wir eine Bewohnerin, die stark halluziniert. Sie erzählt von Männern, die in ihr Zimmer einsteigen, Dinge verwüsten und über Funk kommunizieren. Auf Nachfrage sagt sie, dass sie diese Personen jedoch noch nie gesehen habe, da sie sich anschleichen und diese Dinge machen, wenn sie gerade nicht im Zimmer ist.
Das ist für mich eine sehr ungewohnte Situation, da ich mit dieser Art von Krankheitsbild sonst kaum in Berührung komme. Ich habe versucht, verständnisvoll zu reagieren, habe erfragt, wie sie sich damit fühle und ob sie darüber schon mit anderen gesprochen hat. Aber so wirklich weiß ich nicht, inwieweit ich ihr da helfen kann bzw wie ich damit therapeutisch richtig umgehe. Eine Einweisung zur medikamentösen Einstellung wurde vom Hausarzt abgelehnt (warum weiß ich nicht), sie erhält sehr häufig Beruhigungsmittel.

Habt ihr vielleicht einen Rat für mich? Sollte ich das zum Thema machen in den therapien oder eher ablenkend arbeiten und andere Ressourcen stärken? Leider Schottet sie sich auch immer weiter ab und es ist fast unmöglich sie dazu zu bewegen, ihr Zimmer zu verlassen oder an Gruppenangeboten teilzunehmen.

Ich danke euch für eure Ratschläge!
24. April 2025 10:11 # 2
Registriert seit: 05.02.2007
Bundesland: Bayern
Beiträge: 939

Geändert am 24.04.2025 10:12:00
Das muss fachärztlich abgeklärt werden, ambulant oder stationär. Viele Ursachen möglich.
Und - nebenbei gesagt - auch sehr belastend für die Dame!
Kannst Du als Ergo nicht "richten".
24. April 2025 16:33 # 3
Registriert seit: 22.10.2022
Beiträge: 34

Zitat / freckle hat geschrieben:
Das muss fachärztlich abgeklärt werden, ambulant oder stationär. Viele Ursachen möglich.
Und - nebenbei gesagt - auch sehr belastend für die Dame!
Kannst Du als Ergo nicht "richten".


Dass ich das nicht "richten" kann ist mir bewusst. Meine Frage war, wie ich damit in unseren Einzelangeboten umgehen kann bzw soll. Wenn es von Seiten der Ärzte nicht abgeklärt wird, kann ich dagegen leider auch nichts tun.
Dass es sie selbst belastet ist klar und hat sie ja auch geäußert.
24. April 2025 16:53 # 4
Registriert seit: 05.02.2007
Bundesland: Bayern
Beiträge: 939

Wenn die Dame ständig Durchfall hätte, sich übergeben müßte, einen gebrochenen Arm hätte ........
Es MUSS abgeklärt werden ! Muss im Team besprochen und von Dir dokumentiert werden.
Auch als Absicherung für Dich.
24. April 2025 21:23 # 5
Registriert seit: 22.10.2022
Beiträge: 34

Zitat / freckle hat geschrieben:
Wenn die Dame ständig Durchfall hätte, sich übergeben müßte, einen gebrochenen Arm hätte ........
Es MUSS abgeklärt werden ! Muss im Team besprochen und von Dir dokumentiert werden.
Auch als Absicherung für Dich.


Alles richtig, das möchte ich auch nicht abstreiten. Ich finde es auch eine Schande, dass von Arztseite da so nachlässig mit umgegangen wird.
Nur hilft mir das in meinem persönlichen Umgang mit dem Krankheitsbild jetzt auch nicht weiter. Ich habe eher auf Erfahrungsaustausch gehofft. Wie gehe ich mit schizophrenen Klienten um, was ist unbedingt zu beachten, wie kann ich adäquat auf ihre Äußerungen reagieren?
24. April 2025 21:48 # 6
Registriert seit: 06.05.2011
Beiträge: 305

Ist die Patientin denn bekannt mit Schizophrenie diagnostiziert? Nur wer halluziniert hat noch keine Schizophrenie.
Seit wann bestehen die Symptome und hat sie andere Diagnosen die diese Symptome erklären?
Kennt sie die Symptome bei sich? Hat sie eine Erklärung dafür?

25. April 2025 09:58 # 7
Registriert seit: 06.05.2008
Beiträge: 1225

Wenn der Hausarzt nicht mitmacht dann muss sie eben mal eingewiesen werden oder zum Psychiater. Es kann ja auch durch ein Medikament entstanden sein. Wenn es eine schon diagnostizierte Schizophrenie ist dann muss sie regelmässig mindestens in die Psychiatrische Ambulanz.
Wenn ich halluzinierende Patienten habe dann wird das von den Ärzten direkt behandelt und ich mache eine ganz normale Therapie , die aber nicht auf die Halluzinationen einwirkt. Klar spricht man mal drüber. Aber viele Patienten sind sich bewusst das es nicht stimmen kann was sie sehen.
25. April 2025 15:51 # 8
Registriert seit: 20.07.2018
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beiträge: 98

Ich arbeite in der Akutpsychiatrie. Bei akut psychotischen Patienten geht es um Realitätsabgleich. Woran kann ich erkennen, ob das, was ich wahrnehme, Realität ist, oder eben nur meine eigene Wahrnehmung? Wen kann ich ggf. fragen, ob die Person das auch so wahrnimmt?
Ganz oft sprechen die Patienten sehr gut auf wahrnehmungsbasierte Therapie an, sprich vestibuläre, propriozeptive Reize, um sich selbst besser in der Realität wahrzunehmen. Die meisten, eigentlich alle meine Patienten bisher, haben sehr spontan selbst eine Idee, welche Art von Reizen sie gerade brauchen Igelball, Beschwerung, Schaukeln etc) Vielleicht hilft dir das.
28. April 2025 18:37 # 9
Registriert seit: 22.10.2022
Beiträge: 34

Zitat / Sssophie hat geschrieben:
Ist die Patientin denn bekannt mit Schizophrenie diagnostiziert? Nur wer halluziniert hat noch keine Schizophrenie.
Seit wann bestehen die Symptome und hat sie andere Diagnosen die diese Symptome erklären?
Kennt sie die Symptome bei sich? Hat sie eine Erklärung dafür?



Hallo! Danke für die Antwort. Ich habe dem ganzen für den Beitrag mal flott den Titel Schizophrenie gegeben. Ob es genau das tatsächlich ist, geht nicht aus den diagnosen hervor. Was aber diagnostiert und bekannt ist, sind wiederkehrende depressive Episoden.
Es ist schwierig, denn diese "Symptome" sind für sie eben wirklich Realität. Gerade weil ich mit der Thematik nicht vertraut bin, habe ich mich bisher auch zurückgehalten damit, zu thematisieren was real ist und was sie davon halluziniert.
Für sie steht fest, dass da eine Gruppe ist, die sie schikaniert und das schon über Monate hinweg.
28. April 2025 18:41 # 10
Registriert seit: 22.10.2022
Beiträge: 34

Zitat / roo22 hat geschrieben:
Wenn der Hausarzt nicht mitmacht dann muss sie eben mal eingewiesen werden oder zum Psychiater. Es kann ja auch durch ein Medikament entstanden sein. Wenn es eine schon diagnostizierte Schizophrenie ist dann muss sie regelmässig mindestens in die Psychiatrische Ambulanz.
Wenn ich halluzinierende Patienten habe dann wird das von den Ärzten direkt behandelt und ich mache eine ganz normale Therapie , die aber nicht auf die Halluzinationen einwirkt. Klar spricht man mal drüber. Aber viele Patienten sind sich bewusst das es nicht stimmen kann was sie sehen.


Danke für die Antwort. Für die Bewohnerin macht es leider den Eindruck als seien diese Halluzinationen Realität und sie fühlt sich sehr unverstanden, wenn die Pfleger auf ihre Äußerungen kaum eingehen. Ich habe auch die Befürchtung, da noch mehr loszutreten, wenn ich ihr sage, dass sie sich das einbilde oder ähnliches.
28. April 2025 18:50 # 11
Registriert seit: 22.10.2022
Beiträge: 34

Zitat / Stöffi hat geschrieben:
Ich arbeite in der Akutpsychiatrie. Bei akut psychotischen Patienten geht es um Realitätsabgleich. Woran kann ich erkennen, ob das, was ich wahrnehme, Realität ist, oder eben nur meine eigene Wahrnehmung? Wen kann ich ggf. fragen, ob die Person das auch so wahrnimmt?
Ganz oft sprechen die Patienten sehr gut auf wahrnehmungsbasierte Therapie an, sprich vestibuläre, propriozeptive Reize, um sich selbst besser in der Realität wahrzunehmen. Die meisten, eigentlich alle meine Patienten bisher, haben sehr spontan selbst eine Idee, welche Art von Reizen sie gerade brauchen Igelball, Beschwerung, Schaukeln etc) Vielleicht hilft dir das.[/quote


Danke, das ist guter Input! Davon kann ich sicher etwas mitnehmen.
Sind deine Klienten sich über ihr Krankheitsbild bewusst bzw Besprecht ihr dann quasi ganz klar, was real ist und was nicht? Ich finde es nämlich sehr schwer, der Bewohnerin bspw. zu sagen, dass das nicht stimmen kann. Sie hat ja auch selbst gesagt, dass sie diese Leute noch nie gesehen hat, dementsprechend spielt es sich ja noch mehr bei ihr im Kopf ab...

Ich werde da jetzt allein keine Lösung für Ihre Situation finden, das ist mir bewusst. Aber ich fühle mich gerade so als würde ich auf Eierschalen laufen, obwohl ich ja auch nur möchte, dass sich die Frau wieder sicherer und ruhiger fühlen kann.
28. April 2025 22:25 # 12
Registriert seit: 06.05.2011
Beiträge: 305

Geändert am 28.04.2025 22:26:00
Zitat / Emilini hat geschrieben:
Hallo! Danke für die Antwort. Ich habe dem ganzen für den Beitrag mal flott den Titel Schizophrenie gegeben. Ob es genau das tatsächlich ist, geht nicht aus den diagnosen hervor. Was aber diagnostiert und bekannt ist, sind wiederkehrende depressive Episoden.
Es ist schwierig, denn diese "Symptome" sind für sie eben wirklich Realität. Gerade weil ich mit der Thematik nicht vertraut bin, habe ich mich bisher auch zurückgehalten damit, zu thematisieren was real ist und was sie davon halluziniert.
Für sie steht fest, dass da eine Gruppe ist, die sie schikaniert und das schon über Monate hinweg.


Wahnvorstellungen gibt es auch bei Depressionen, Demenz, Hirnorganischen Veränderungen, Nebenwirkungen von Medikamenten, Infekten -> es braucht eine Diagnostik!

Du schreibst sie hat die Männer nicht gesehen, dennoch steht für sie fest dass da eine Gruppe ist, die sie schikaniert. Wenn ich deine Beschreibungen richtig interpretiere halluziniert deine Klientin nicht, sondern vermutet Dinge, die objektiv betrachtet keinen Sinn machen.
Ich würde versuchen herauszufinden wie dieser subjektive Eindruck entstanden ist. Dabei kannst du immer davon ausgehen dass das Verhalten der Patientin aus ihrer Perspektive heraus Sinn hat. Um mal eine banale Erklärung zu liefern: alte Menschen sehen und hören oft nicht mehr so gut, manche sind auch grob- und feinmotorisch eingeschränkt oder das Gedächtnis lässt nach. Dies kann beispielsweise dazu führen, dass etwas umfällt, herunterfällt, kaputt geht ohne dass die ältere Person dies bemerkt oder es vergisst dass ihr dies passiert. Wenn diese Person zu einem späteren Zeitpunkt merkt dass da etwas nicht mehr stimmt ist braucht sie eine Erklärung dafür. Manchmal ist eine Wahnidee dann die einfachste Erklärung. (kurz gesagt wenn ich es nicht war muss es jemand anderes gewesen sein. Ggf. kommen auch noch biografische Erinnerungen dazu. Hat sie Krieg/Flucht/Verfolgung erlebt?)
Wenn du einen guten Kontakt zu seiner Klientin hast versuche bei ihren Gefühlen anzusetzen (denn die sind real) und dich dann weiterzuarbeiten. Nach meiner Erfahrung kann man dann schnell einschätzen ob die Gedanken objektiv tatsächlich keinen Sinn machen oder evtl. nachvollziehbar sind. Klassiker ist der Gedanke "ich werde beklaut" obwohl der Lieblingsschmuck nur verlegt wurde.
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