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Diskussionsforum

Assessments gesucht & Brainstorming

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18. September 2025 16:06 # 1
Registriert seit: 01.04.2008
Beiträge: 51

Liebe Kollegen,

ich arbeite in einer Praxis und habe inzwischen viele Hausbesuche im Pflegeheim.
Dort kommt in regelmäßigen Abständen eine Ärztin aus der Gerontopsychiatrie und verordnet Ergotherapien (immer PFB). Diese Verordnungen bekomme ich dann vom Pflegepersonal in die Hand und ... weiter nichts. So richtig scheinen die Pflegekräfte ihre Bewohner nicht zu kennen (jung, ständiger Wechsel, Desinteresse(?), etc.). Sie können im Grunde nur etwas zur Selbstversorgung sagen. Der soziale Dienst des Hauses ist auch keine große Hilfe, da sie ausschließlich zur "allgemeinen Beschäftigung" Aussagen machen können - zudem auch meist nur im Gruppensetting. Und mehr als "Zeitungsgruppen, Gruppengymnastik und Singgruppen" findet praktisch nicht statt. "Einzelbetreuung" ist meist nur ein kurzes Pläuschchen, 5 Minuten ums Haus spazieren, oder im Zimmer die Gläser austauschen, Wasser nachfüllen usw.. Angehörige sind häufig weit weg oder wissen überhaupt nicht, dass ihre Familienangehörigen Ergotherapie verordnet bekommen haben - können somit meine Frage "warum kommen Sie/Ihr Angehöriger zu mir in die Ergotherapie" nicht beantworten. Und wenn sie durch mich dann erst erfahren, dass Ihr Angehöriger Ergotherapie verordnet bekommen hat, können sie aus der Ferne auch nicht viel dazu sagen - meist aber viel über deren Leben vor dem Umzug ins Heim. Da kann ich dann meist etwas von aufgreifen.
Die Klienten selbst sind oft nicht mehr vollständig orientiert - zwar nicht immer schwerst dement, aber auch nicht mehr vollständig zur Person und selten zur Situation orientiert.
PFB also. Ich bin keine "Basteltante" und singen kann ich auch nicht. (Meiner Erfahrung nach, mag auch kaum ein Senior im Pflegeheim so wirklich basteln. Höchstens mit Holz-Werkbank o.ä., aber sowas lässt sich dort nicht installieren). Ich bin ein Fan des CMOP und MOHO.
Meist ist es aber wirklich schwierig, aufgrund der kognitiven Einschränkungen der Klienten, wirklich strukturiert zu arbeiten. Ich komme mit dem COPM und den Checklisten und dem OSA irgendwie nicht so richtig zu einem klaren Ziel... (die Bewohner selbst können in der Regel gar kein Ziel benennen oder wollen nichts für eine Verbesserung ihrer Performance tun, weil ja immer irgendwer alles für sie tut, sie sind meist Meister im "Vertuschen" ihrer Defizite oder überschätzen ihre Ressourcen - sind aber laut eigener Aussage schon hier und da sehr unzufrieden, wenn man sich mit ihnen unterhält. Sie scheinen ihren Zustand aber irgendwie zu akzeptieren, also "Selbsterfassungsbögen" sind irgendwie (??) nicht ausfüllbar, widersprüchlich oder werden überhaupt nicht verstanden..

Ich suche ein Assessment oder Screening, das ich kurz und strukturiert anwenden kann. (MMSt bringt mich in der Zielfindung auch meist nicht wirklich weit)
Und ich wüsste gerne, wie ihr beispielsweise mit eurem Klientel im Pflegeheim arbeitet, was konkret ihr tut - in der PFB im Hausbesuch im Pflegeheim.
19. September 2025 08:17 # 2
Registriert seit: 13.03.2011
Beiträge: 234

Ich würde an deiner Stelle vermutlich am ehesten mal versuchen zu dieser Ärztin Kontakt aufzunehmen. Vielleicht findet ihr ja einen Weg miteinander.
Schließlich muss sie sich ja auch was dabei denken, wenn sie einigen Bewohnern Ergotherapie verschreibt. Ich hoffe inständig, dass sie das nicht einfach so gießkannenartig austeilt, "damit sie was gemacht hat" und die Bewohner "gefördert" werden.

LG Salu
Liebe ist, dem Geliebten zu geben, was er braucht. Der Geliebte wird dir geben, was du brauchst, wenn du die Erwartung aufgibst, etwas zu bekommen. [Anita Balser]
19. September 2025 22:34 # 3
Registriert seit: 01.04.2008
Beiträge: 51

Diese Idee kam mir tatsächlich auch beim Schreiben erst 😅
Ich denke, sie ist keine schlechte Ärztin. Bewohner und Pfleger mögen sie.
Aber ja, das wäre noch ein Weg!::thumbup::
20. September 2025 20:51 # 4
Registriert seit: 22.08.2004
Beiträge: 398

Im Seniorenheim kommt es den Bewohnern eher darauf an, dass sie ihre Interssen, die sie vielleicht noch gehabt haben, ausüben können. Sie werden ja gepflegt und sind es gewohnt, dass alles gemacht wird. Ich habe immer die Interessencheckliste gemacht und Alltagstätigkeiten, die sich spontan ergaben( Toilettengänge, an- oder ausziehen) aufgegriffen.. Gruppenangebote wie z.B. Volkslieder singen und Bewegung/Gymnastik spielerisch, damit erreichst du die Senioren/innen. Auch Spaziergänge, Ratespiele wie z.B. Sprichwörter ergänzen, Mensch-ärgere-dich nicht spielen. Wenn Angehörige zu Besuch sind, suche das Gespräch mit ihnen. Da kannst du evtl. nach dem CMOP den Alltag vor dem Heimaufenthalt erfragen.


27. September 2025 17:34 # 5
Registriert seit: 14.11.2011
Beiträge: 1

Hallo,
meine Antwort würde wohl hier den Rahmen sprengen :)
Ich fand zwar das Buch des Therapielotsen nicht unkritisch…aber dennoch lesenswert… am Ende sind auch „Assessment“ - Kopiervorlagen enthalten. - ich könnte das Buch gerne an dich weitergeben, ich habe es geschenkt bekommen und fertig gelesen

Meine Erfahrung zeigt, das Singen nicht zwingend erforderlich ist, denn ich singe nicht!
Ja die Bewohner singen mit und haben Teil an der Beschäftigung, dennoch ist es wie Kreuzworträtsel nur ein „verankertes Wörter oder Wortfolgen Repertoire“ welches abgespult wird.

Zuwendung, ungeteilte Aufmerksamkeit, Zeit und Wahrnehmen des Individium, ob drinnen oder auch draußen Hauptsache freundlich, ehrlich und mit viel Spaß & Humor bringt bei meinen Bewohnern eine Menge. Es entstehen zum Teil kleine Gespräche mit Menschen die schon lange keine klaren Worte mehr gesprochen haben.

… mit etwas Poesie im Herzen und der Grundannahme, das kein Mensch mit Demenz oder anderen PsychoSozialen Auffälligkeiten es jemals böse oder absichtlich tut, und jede Seele das Bedürfnis auf gesehen und wahrgenommen werden hat… ist es spannend und lebensbereichernd ein Teil davon zu sein…und wenn Jeder sein Bestes gibt …
sollte das genügen können ;)
27. November 2025 22:04 # 6
Registriert seit: 01.04.2008
Beiträge: 51

Zitat / MacT hat geschrieben:
Hallo,
meine Antwort würde wohl hier den Rahmen sprengen :)
Ich fand zwar das Buch des Therapielotsen nicht unkritisch…aber dennoch lesenswert… am Ende sind auch „Assessment“ - Kopiervorlagen enthalten. - ich könnte das Buch gerne an dich weitergeben, ich habe es geschenkt bekommen und fertig gelesen

Meine Erfahrung zeigt, das Singen nicht zwingend erforderlich ist, denn ich singe nicht!
Ja die Bewohner singen mit und haben Teil an der Beschäftigung, dennoch ist es wie Kreuzworträtsel nur ein „verankertes Wörter oder Wortfolgen Repertoire“ welches abgespult wird.

Zuwendung, ungeteilte Aufmerksamkeit, Zeit und Wahrnehmen des Individium, ob drinnen oder auch draußen Hauptsache freundlich, ehrlich und mit viel Spaß & Humor bringt bei meinen Bewohnern eine Menge. Es entstehen zum Teil kleine Gespräche mit Menschen die schon lange keine klaren Worte mehr gesprochen haben.

… mit etwas Poesie im Herzen und der Grundannahme, das kein Mensch mit Demenz oder anderen PsychoSozialen Auffälligkeiten es jemals böse oder absichtlich tut, und jede Seele das Bedürfnis auf gesehen und wahrgenommen werden hat… ist es spannend und lebensbereichernd ein Teil davon zu sein…und wenn Jeder sein Bestes gibt …
sollte das genügen können ;)


Das Buch klingt sehr interessant! Ich bin für jede Art "Literatur-Empfehlung" dankbar. Würde mich für dein Buch interessieren und dankend annehmen! :)
Ich sehe es auch wie du - ich singe nicht. Damit kann ich einfach nicht authentisch sein, das bin nicht ich und es fühlt sich für mich eher so an, als sei ich ein Clown.

Mit den Checklisten arbeite ich auch sehr gern und es kommen dabei sehr schöne Dinge auch sehr strukturiert heraus. Bloß ist es in den allermeisten Fällen (in meinem Fall in ALLEN Fällen) so, dass es Hobbies sind, welche stationär nicht umsetzbar sind - z.B. eine Bastelwerkstatt mit Standbohrmaschine, Sägen, Schrauben, etc. Oder ein Garten/Balkon/Terrasse, oder Tiere, oder Schwimmen, oder Angeln, Wandern.... es gibt so viele schöne Dinge, welche die Bewohner gern gemacht haben, aber die meisten wollen es "ganz oder gar nicht". Ein Kübel im Zimmer ist kein Garten...so inetwa :(
27. November 2025 22:46 # 7
Registriert seit: 11.11.2003
Beiträge: 21

Hallo Ruby.

Wir machen im Rahmen der Geriatrischen Frührehabilitation den SIS
Ein kurzes Screening über zeitliche Orientierung und Kurzzeitgedächtnis.
Ich greife das auf , um das heutige Datum klar zu formulieren und ggf. ein Gespräch zur zeitlichen Orientierung zu finden ( nutze den Speiseplan oder die Zeitung)
Den MMSE machen wir auch regelmäßig. Ich finde schon, dass er in der Testungssituation eine Aussage macht. Die Punktzahl interessiert mich persönlich weniger. Er sagt etwas über die Orientierung aus, über die Konzentrationsfähigkeit. Über die Graphomotorik und somit über die Handfunktion. Im Kleinen wird die Kommunikationsfähigkeit angeschaut (Hören, Lesen und Sprechen) Auch hier gibt es Möglichkeiten einen Gesprächsanlass zu finden. Ich versuche immer, die Fragen nicht stur runter zurattern, sondern in einem Gespräch zu verankern (nicht ganz nach Testanweisung , ich weiß)

Wir nutzen außerdem den DIAS. Ein Screening zur Depression im Alter. Mit den Fragen sind wir nicht ganz glücklich, schließlich sind wir keine Psychologen, der dann bei Bedarf eingeschaltet wird.
Auf einer anderen Station wird der WHO-5 eingestzt; 5 Fragen zur Stimmung.
Wenn du dich aber nicht an die Testung halten musst, kannst du dir ja einige Fragen "heraus picken" um die Stimmung zu erfassen. ( Vor einiger Zeit haben wir den GDS abgefragt)
(Letztendlich sind die Testungen bei uns Vorgaben des MDK und nicht verhandelbar, ob wir sie machen oder nicht)

Hin und wieder mache ich den Dem-Tect , manchmal auch nur einen Teil daraus. Er ist anspruchsvoller als MMSE

Am Ende schauen wir uns die Beweglichkeit der OE an, angelehnt an die neurologischen Testungen ( Arm-halte-Versuch, Finger-Nase- Test , Nacken - und Schürzengriff, Handmotorik)
Wenn möglich lasse ich die Pat. aufstehen, stehen ( mit und evtl. auch ohne HM) , und hinsetzen um die Beinkraft anzuschauen und das Gleichgewicht im Stand.

Zusammengefasst schauen wir nach der Orientierung, der Stimmung und der Motorik.

Daran kann man einige Ziele formuliern.
Ich frage auch immer die Pat. wo sie Probleme haben, was sie üben möchten, allerdings ist das in der Geriatrie nicht immer zeilführend, das hast du ja scheinbar auch gemerkt.

Wenn du nicht an Vorgaben gebunden bist, kannst du dir Teile aus den Tests heraus suchen um einen struktuierten Ablauf für dich selber zu finden.

Gekauft habe ich das Buch
Geriatrisches Assessment
Prof. Dr. med. Helmut Frohnhofen
ISBN 978-3-17-034182-1
Es gibt eine Übersicht und erklärt, wie man die Testungen umsetzt.
Die meisten Tests kannte ich schon, interessant war, nochmal die richtige Umsetzung zu lesen.
Würde man online auch finden. Das Buch ist nur eine Option.

Ich hoffe ich konnte einige Denkanstöße liefern (obwohl schon November)
Wäre schön du meldest dich hier noch mal, wie du es am Ende gelöst hast.
Grüßle
Liebe Grüße Heike
28. November 2025 16:06 # 8
Registriert seit: 01.04.2008
Beiträge: 51

Zitat / Berlinch hat geschrieben:
Hallo Ruby.

Wir machen im Rahmen der Geriatrischen Frührehabilitation den SIS
Ein kurzes Screening über zeitliche Orientierung und Kurzzeitgedächtnis.
Ich greife das auf , um das heutige Datum klar zu formulieren und ggf. ein Gespräch zur zeitlichen Orientierung zu finden ( nutze den Speiseplan oder die Zeitung)
Den MMSE machen wir auch regelmäßig. Ich finde schon, dass er in der Testungssituation eine Aussage macht. Die Punktzahl interessiert mich persönlich weniger. Er sagt etwas über die Orientierung aus, über die Konzentrationsfähigkeit. Über die Graphomotorik und somit über die Handfunktion. Im Kleinen wird die Kommunikationsfähigkeit angeschaut (Hören, Lesen und Sprechen) Auch hier gibt es Möglichkeiten einen Gesprächsanlass zu finden. Ich versuche immer, die Fragen nicht stur runter zurattern, sondern in einem Gespräch zu verankern (nicht ganz nach Testanweisung , ich weiß)

Wir nutzen außerdem den DIAS. Ein Screening zur Depression im Alter. Mit den Fragen sind wir nicht ganz glücklich, schließlich sind wir keine Psychologen, der dann bei Bedarf eingeschaltet wird.
Auf einer anderen Station wird der WHO-5 eingestzt; 5 Fragen zur Stimmung.
Wenn du dich aber nicht an die Testung halten musst, kannst du dir ja einige Fragen "heraus picken" um die Stimmung zu erfassen. ( Vor einiger Zeit haben wir den GDS abgefragt)
(Letztendlich sind die Testungen bei uns Vorgaben des MDK und nicht verhandelbar, ob wir sie machen oder nicht)

Hin und wieder mache ich den Dem-Tect , manchmal auch nur einen Teil daraus. Er ist anspruchsvoller als MMSE

Am Ende schauen wir uns die Beweglichkeit der OE an, angelehnt an die neurologischen Testungen ( Arm-halte-Versuch, Finger-Nase- Test , Nacken - und Schürzengriff, Handmotorik)
Wenn möglich lasse ich die Pat. aufstehen, stehen ( mit und evtl. auch ohne HM) , und hinsetzen um die Beinkraft anzuschauen und das Gleichgewicht im Stand.

Zusammengefasst schauen wir nach der Orientierung, der Stimmung und der Motorik.

Daran kann man einige Ziele formuliern.
Ich frage auch immer die Pat. wo sie Probleme haben, was sie üben möchten, allerdings ist das in der Geriatrie nicht immer zeilführend, das hast du ja scheinbar auch gemerkt.

Wenn du nicht an Vorgaben gebunden bist, kannst du dir Teile aus den Tests heraus suchen um einen struktuierten Ablauf für dich selber zu finden.

Gekauft habe ich das Buch
Geriatrisches Assessment
Prof. Dr. med. Helmut Frohnhofen
ISBN 978-3-17-034182-1
Es gibt eine Übersicht und erklärt, wie man die Testungen umsetzt.
Die meisten Tests kannte ich schon, interessant war, nochmal die richtige Umsetzung zu lesen.
Würde man online auch finden. Das Buch ist nur eine Option.

Ich hoffe ich konnte einige Denkanstöße liefern (obwohl schon November)
Wäre schön du meldest dich hier noch mal, wie du es am Ende gelöst hast.
Grüßle


Ich danke dir vielmals für die vielen konkreten Tests! Da werde ich sehr sicher etwas für mich finden! :) Ich bin zwar nicht "gebunden", aber ich mag es strukturiert, evidenzbasiert und zielführend (letzteres ist wohl gerade in der Geriatrie etwas anders zu betrachten) :) Danke dir!
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